Donnerstag, 4. September 2008

Dee - Vergangenheit einer Kajira

Dieser Beitrag wird mit freundlicher Genehmigung von Bina Mayo genutzt und veröffentlicht.

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Dee – Vergangenheit einer Kajira

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Da lag sie alleine im Wald, und schaute melancholisch zu den drei Monden auf. Irgendjemand hatte mal gesagt, sie wäre stark und einige hatte gemeint, sie könnte sogar die EN des Stammes werden, an dem sie so hängt.

Diese Schwestern waren es, die ihr Zuflucht gaben, als sie mit einer zerrissenen Tunika, und dem Collar eines verhassten Mannes durch den Wald gehastet ist. Ihr alter Stamm hatte sie verstoßen und verjagt, hatte sie eine Kajira genannt und dieser Talaunastamm hatte ihr ein neues Zuhause gegeben.

Jetzt lag sie hier, auf dem Hügel auf den sie immer geht, wenn die nachdenken muss. Sie hörte den Geräuschen des Dschungels zu, wohl wissend das ihr Stamm sich auf sie verlassen würde, denn sie war ja die EN. Aber war sie wirklich frei? Sie dachte zurück, als sie noch das Collar eine Mannes trug, dem Mann, den sie so liebte und der damals in ihr das Sklavenfeuer weckte. Sie erinnert sich mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen wie es war zu dienen, sich keine Gedanken machen zu müssen wo das essen am nächsten Tag herkommt. Damals lernte sie das Gefühl kennen, sich wirklich fallen zu lassen, das Vertrauen in die starke Hand zu haben, die mit Härte führt und mit Zärtlichkeit belohnt.

Sie schaute verträumt zu den Sternen. Ja, vielleicht was er jetzt da oben, der Herr, der auch seine kleine Kajira so sehr geachtet hat, das er sie später befreit, und zu seiner Gefährtin machte. sie grübelte darüber, ob dieser Krieger ihr wirklich einen Gefallen damit erwiesen hatte. Das Collar hat er ihr abgenommen, aber war sie dadurch wirklich freier?

Die Gefährtenschaft war nicht von langer Dauer, eines Tages flogen die Kämpfer auf ihren Tarnen ein aber ihr Krieger war nicht mit dabei. Er hatte sich tapfer einer Übermacht gestellt, und es hat ihm das Leben gekostet.

Lange war es her und auf vielen Umwegen hat sie der Wille der Priesterkönige hierher geführt, auf diesen Hügel unweit ihres Lagers. Sie spürte wieder diese innere Zerrissenheit, die sie kennt seitdem ihr Herr ihr das Collar abgenommen hat. Sie war stark, ja, sie hatte ihren Stamm mehr als einmal vor Gefahren bewahrt, aber war sie nicht auch noch immer die kleine Kajira, die sich ständig nach der Zuwendung ihreres Herrn sehnte? Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf ihren Körper, das pochen ihres Herzens und das heben und senken ihrer Bust und die warme, feuchte Luft die ihre Lungen durchströmte. Sie spürte ihren Körper, aber es war anders als damals, als der Reif noch im Ihren Hals lag. Dieses Stück Metall, das soviel in ihrem Leben geändert hat. Sie tastest ihren Schenkel ab und spürte die Narben der Dina, die ihr für alle Zeit die Freiheit nehmen sollte und doch einen Teil von ihr freier gemacht hat, als als sie es je für möglich gehalten hätte.


"Dee, du sollst arbeiten, nicht faulenzen!" Laut schallte die Stimme ihrer Herrin durch das kleine Lager. Sie sah sich verstört um und stellte fest, das sie mal wieder geträumt hatte. Nicht auf einem Hügel in ihrem Dschungel lag sie, sondern was war wohl im Gemüsebeet eingenickt. Voll schlechtem Gewissens machte sie sich wieder an die Arbeit. Sie grübelte weiter vor sich hin und dachte wieder an den Dschungel aus ihrem Traum.

War sie das wirklich gewesen? Trotzt aller Zerrissenheit, sie war mal eine stolze Taluna, immer bereit mit dem Bogen ihren Stamm zu verteidigen. Bina, ja so so nannte man sie wohl damals, manche redeten sie auch mit "En" an. Sie fasste sich gedankenverloren an ihren Kragen. Auch ihre Herrin sprach sie schon mal mit "meine En" an, aber es war etwas anderes. Sie versuchte die Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben und sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Konnte es wirklich sein, dass sie mal eine Freie war? Sie schaute unsicher auf ihrer dreckigen Hände, und umfasste die Harke fester. War wirklich sie es gewesen, die damals furchtlos den Speer gehalten hat? Sie schloss die Augen, und plötzlich war er wieder da, dieser besondere Geruch, den es nur im Dschungel gibt. Sie hatte die vielfältigen Geräusche immer noch im Ohr und fühlte noch, wir die Sehne des Bogens ihre Finger einschnitt.

"Dee, du Faulpelz, brauchst Du wieder die Peitsche?" Sie zuckte zusammen, als ihrer Herrin ein zweites mal rief. Sie wusste, ein drittes Mal wird es nicht geben, und machte sich wieder an ihrer Arbeit. Sie lächelte schuldbewusst zu ihrer Herrin und dachte daran, wie gut sie es bei ihr hatte.

Sie erinnerte sich an den Sklavenhändler, der sie in ihrem Dschungel gefangen hatte, an den Hass, den sie gespürt hatte, auf dieses Stück Metall, das ihr wieder um den Hals gelegt worden war. Sie erinnerte sich aber auch an dieses tiefe Gefühl der Scham. Ausgerechnet sie hatte sich überrumpeln lassen. Sie, die den ganzen Stamm angeführt hatte und ausgerechnet einem Sklavenhändler war sie in die Falle gegangen. Ein leichtes Schmunzeln überzog ihr Gesicht, als sie an seine Nervosität dachte, nachdem er gemerkt hatte, wen er gefangen hat. Aber wie konnte es sein, das sie so schnell resigniert hat, und sich in ihre Schicksal gefügt hatte? Nackt auf einem Wagen angekettet hatte sie das letzte Mal ihren geliebten Dschungel gesehen. Ihr ganzer Stolz war mit einem Mal von ihr abgefallen, und sie war wieder die Sklavin, die ihr geliebter Herr damals gekauft hatte.

Sie lächelte dankbar zu ihrer Herrin. Sie hatte Glück gehabt, von einer angesehenen Hausbauerin gekauft worden zu sein. Sie erinnerte sich an die Erleichterung des Sklavenhändlers, sie endlich von der Kette zu bekommen. Sie seufzte auf, also sie daran dachte, das sie nur 10 Kupfer gekostet hat. Damals hätte ihr Herr sie nicht für 5 Goldscheiben abgegeben, aber das war lange bevor sie im Dschungel gelebt hatte.

Sie wandte sich wieder dem eintönigem Harken des Beetes zu und grübelte weiter über ihre Vergangenheit. Balena hatte ihr Vater sie immer gerufen, aber an diese Zeit konnte sie sich kaum mehr erinnern. In Venna war sie aufgewachsen, als verwöhnte Tochter eines Parfümhändlers, aber schon der erste Kragen, den sie getragen hat, machte diese Vergangenheit unbedeutend. Ja, lesen und schreiben konnte sie gut, auch das Musizieren hatte ihre Mutter ihr beigebracht, aber das sie damals die Sklaven ihres Vaters, hochnäsig wie sie war, rumgescheucht hatte, das konnte sie sich kaum mehr vorstellen.
Sie schmunzelte leicht bei dem Gedanken, das ihre Herrin sie immer als eine geborene Sklavin bezeichnet. War ihr Schicksal wirklich durch die Priesterkönige so vorbestimmt? Vielleicht aus Trotz hatte sie sich immer geweigert, einen anderen Namen anzunehmen, als "Bina" den Sklavennamen, mit dem Ihr Herr sie damals gerufen hat. Vielleicht hatte ja ihre Herrin doch recht, und sie war nie wirklich frei gewesen.

Sie dachte wieder an den Taluna-Stamm, den sie zurückgelassen hat. Sie fühlt wie ihr das Blut in den Kopf schießt, bei der Vorstellung, ihre damaligen Schwestern können sie jetzt so sehen. Sie dachte immer an den einen Satz: "das Collar mach die Vergangenheit unbedeutend" Die Talunas würden sie sowieso nicht erkennen, sie würden einfach über sie hinwegsehen, wie sie es über fast alle Sklavinnen machen. Sie fühlte die Tränen aufsteigen bei dem Gedanken, von ihrem eigenen Stamm wie eine Sklavin behandelt zu werden. "Mein Stamm..." sie schüttelte resignierend den Kopf und wischte sich mit ihren dreckigen Händen die Tränen weg.

"Dee, komm sofort her und bring mir einen Ka-La-Na mit" Die Stimme ihrer Herrin riss sie wieder aus ihren Gedanken. Sie beeilte sich, die Hände zu waschen, und ihrer Herrin den Wunsch zu erfüllen. "Du sollst arbeiten, nicht rumheulen" Mit dem Ka-La-Na in der Hand schaute ihrer Herrin vorwurfsvoll auf sie herab. Aber zärtlicher, als es der scharfe Ton ihrer Stimme vermuten ließ, wischte ihre Herrin ihr die Tränen aus dem dreckigen Gesicht.

Sie kniete sich wieder grade hin, stolz ihre Brust vorgestreckt, und strahlte ihrer Herrin an. Als sie den zufriedenen Blick bemerkte wusste sie, sie war an dem Platz angekommen, den die Priesterkönige für sie vorgesehen hatte und wischte ihre ihre trübsinnigen Gedanken beiseite.


***Copyright: Bina Mayo**

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