Donnerstag, 4. September 2008

Zeus – Geschichte eines Kriegers – Teil 4

Dieser Beitrag wird mit freundlicher Genehmigung von Zeus Edelman genutzt und veröffentlicht.

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Zeus – Geschichte eines Kriegers – Teil 4

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Zeus betrachtete die Schriftrolle. Eine recht grosse Schriftrolle, die da vor ihm auf dem Schreibtisch liegt. Im Licht der Fackeln kann man knapp die recht verschmierte Schrift lesen: Gesetze der Oase der Zwei Scimitar, erster Entwurf. Er nimmt den Pagakrug wieder in die Hand, trinkt einen heftigen Schluck, und lässt den nun leeren Krug neben den Tisch fallen. Schwierig ist es für ihn, sich auf dem Stuhl zu halten, zu betrunken ist er.

Mit einer schnellen Bewegung nimmt er die Schriftrolle, wirft diese zerknüllt in die Ecke, und stützt Entnervt seinen Kopf mit den Händen, lallt "Wie bin ich nur hier gelandet".

Die Augen geschlossen, Stille, nur das Knistern eines Kamins einige Meter entfernt stört die Ruhe, er sitzt im Rathaus der Oase der Zwei Scimitar, erinnert sich.

Der Krieger war aufgebrochen aus der Wüste der Tahari, um einen neuen Platz zu finden, nach dem sein Schicksal ihn und die Bakah auseinandergerissen haben. Sein Weg führte ihn nach Saphronicus, an der Grenze zu den Nördlichen Wäldern, zu seinem alten Freund, Suca. Dort verbrachte er einige Wochen als Krieger, beschäftigte sich mit dem Training am Schwert, er war über die Monate doch recht eingerostet. Er bekam einen neuen Tarn, ein wunderbares Tier. Schwarz wie die Nacht, und stolz wie ein Ubar des Himmels. In Saphronicus gibt es viele Zwischenfälle mit den Sleens aus dem Wald, den Panthermädchen. Darum existiert die Festung auch, als eine letzte Bastion, welche die Biester ein Einfallen in das zentrale Gor hindern soll.

Es kam die Nacht, vor mehreren Wochen, wo Zeus das unbändige Gefühl überkam eine Reise anzutreten. Kurz vorher hatte er in den Nördlichen Wäldern Sylvie, die ehemalige Tatrix der Bakah, getroffen. Was auch immer sie da suchte. Es mag Sehnsucht gewesen sein die Zeus Nachts auf seinen Tarn trieb, und ihn in den Süden fliegen lies. So richtig kann er das Gefühl heute noch nicht bestimmen. Also stieg er auf in den Himmel, und lies Saphronicus, mit seinen schönen Türmen am Horizont verschwinden. Das er nicht wieder zurückkehren würde war ihm zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, bzw es wäre auch ein unmöglicher Gedanke gewesen.

Angekommen in der Tahari schickte er seinen Tarn unverzüglich in den Urwald, Nahrung suchen. Dort gibt es genug Taluna und Larls, die den Hunger des Tieres stillen und ihn davon abhalten sollten, seinen Reiter zu attakieren und zu fressen. Zeus wanderte durch den Urwald, bis zum westlichen Teil der Region. Dort stand sie, die legendäre Oase der Zwei Scimitar, welche als Heimstein der Bakah gilt, und in den Stämmen der Kavar eine zentrale Rolle spielte. Sie wurde vor hunderten von Jahren während eines fürchterlichen Sandsturms nahezu völlig begraben und zerstört. Man sagt das es die Priesterkönige gewesen sein müssen, sie haben die Oase verschwinden lassen, wie einst Ko-Ro-Ba. Das letzte Mal als Zeus die Oase gesehen hatte waren noch tausende von Sklaven damit beschäftigt die Mauern wieder auszugraben.

Nun stand sie wieder, hier und dort noch Schäden, Macken, und so richtig viel Leben schien nicht in der Oase zu sein. Er im Sonnenuntergang durch das riesige Tor, Zwei bronzene Scimitare kreuzten sich über dem Tor, und glänzten matt im Licht der gerade aufgehenden drei Monde.

Tage und Wochen vergingen, Zeus hatte sich ein kleines Zimmer in einer verlassenen Wohneinheit der Oase angemietet. Der Ort war trostlos. Die Oase steht seit jeher unter der militärischen Kontrolle der Bakah. So waren es auch hauptsächlich deren Stammesmitglieder, die dort anzutreffen waren. Sie würden - nachdem die Oase fertig ausgebraben und wieder aufgebaut war - sich wieder in ihre Camps zurückziehen. Es sind Nomaden, keine Stadtmenschen. Zeus besuchte die Bakah regelmässig in einem naheliegendem Camp. und es freute ihn zu sehen, dass es seinen alten Freunden gut ging.

Dennoch fühlte er sich irgendwie nicht wohl. Einsam in den Mauern der Oase. Er mag es von Menschen umgeben zu sein. Irgendwann, eines Tages, erreichte ihn die Nachricht, das Saphronicus sich im Krieg mit Tyros befindet. Die Kämpfe waren schon weit fortgeschritten, als er von dieser Kunde erfuhr. Sollte er zurückkehren? Wenn ja, wie? Sein Tarn war direkt am Abend der Ankunft verschwunden. Er kam nicht mehr von der Nahrungssuche zurück. Also musste er sich für die Rückreise ein neues Tier besorgen. Fussmarsch, auch wenn ein Krieger im Kriegerschritt ettliche Passang zurücklegen kann, kam nicht in Frage. Ein Tharlarion - niemals.
Weitere Tage vergingen, hier und da unterbrach etwas Geplänkel mit ein paar Taluna den tristen Wüstenalltag.

Schreie, das klingen von Stahl rissen Zeus vom Fell. Es war Nachmittag, die Sonne stand noch hoch, es war heiss, aber nicht zu heiss um nicht einen Fuss vor die Türe zu setzen. Schreie, Kampfgeräusche. Er ging auf das Dach seiner Wohneinheit, und sah wie eine handvoll Taluna in der Oase waren. Selbstverständlich waren sie bereits von den Bakah, welche die Oase schützen, entdeckt und angegriffen worden. Die Krieger waren aber in der Unterzahl, so dass Zeus nicht lange zögerte, und mit den schweren Bolzen seiner Armbrust versuchte die Taluna zu verscheuchen. Er hasst Panther und Taluna. Seine Vergangenheit ist begraben, aber manche Dinge kann er nicht vergessen.

Die Übermacht der wütenden Mädchen war erdrückend. Es dauerte nicht lange, bis er überwältigt und gefesselt wurde. Taluna innerhalb der Stadtmauern? Es war ein Skandal, unvorstellbar, was war passiert? Diese Antwort wurde ihm für den Moment verwehrt. Gefesselt und geknebelt brachten die Biester ihn und Sylvie - welche ebenfalls gefangen wurde, durch die Wüste, einige wenige Pasang, in ihr Lager. Das Lager der Sa-Lar Torvis.

Ein stechender Schmerz erschütterte Zeus auf dem Weg in das Panthercamp. Eine von diesen Mädchen, so schien es, hatte in seinen rechten Oberschenkel gebissen. Er schrie. Entsetzen stand in seinem Auge. Die Panther waren unterdessen eifrig damit beschäftigt, diese Wilde von seinem Bein zu lösen. Ein kleines Stückchen Fleisch hat sie ihm aus dem Oberschenkel gerissen. Fassungslos, und den Schmerz vom Adrenalin nicht mehr spürend, starrte Zeus auf die Leute. "Was ist das für ein... Ding?" schrie er. "Eine Mamba" war die knappe Antwort einer der Frauen.

Kurze Zeit später fand sich Zeus im Camp wieder, angebunden an ein Kreuz. Erschöpft öffnete er wieder die Augen, und bemerkte Sylvie in seiner Nähe. Seine Augen konzentrierten sich aber auf die anwesenden Frauen, und waren ständig auf der Suche nach diesem Geschöpf, welches man eine Mamba nennt. Diese Mambas sind primitive Geschöpfe auf Gor, die ähnliche wie Panther, wohl in Rudeln zusammen leben. Im Gegensatz zu allen anderen menschlichen Lebewesen auf dem Planeten, machen die Mamba aber in der Frage des Hungers keinen Halt vor Menschenfleisch. Eine Barbarin erklärte Zeus mal, dass auf ihrem Planeten dieses Verhalten mit "Kanibalismus" bezeichnet werden würde. Zeus hielt all diese Geschichten für Märchen, die irgendwelche Poeten sich im Vollrausch nachts in einer Taverne erdacht haben. Nun spürte er die schmerzliche Warhheit an seinem Bein.

Auf einmal wirkten die Frauen hektisch, zogen ihre Bögen. Etwas huschte durch das Dickicht des Camps, welches mitten in einem bewachsenen Dschungelausläufer steht. Schreie, Kampflärm, zischende Pfeile. Minuten später stellte sich heraus, dass Light, der Schmied der Oase der Zwei Scimitar, irgendwie in das Camp eingedrungen sein musste, und den Held spielen wollte. Nicht sehr intelligent. Er zählte nun ebenfalls zu den Gefangenen, und Zeus war sichtlich erleichtert, als diese widerliche Mamba in ihm ein neues Opfer gefunden hatte.

Eine Panther mit - so erinnert er sich - roten Haaren schnitt Zeus dann die Klamotten vom Leib, und freute sich anscheinend sichtlich über den Geldbeutel, den er mit sich geführt hatte. Es war der kümmerliche Rest seines Geldes, alles andere hatte er nachts zuvor ausgegeben um einen Tarn zu erstehen. "Ich habe gewusst, ich hätte letzte Nacht schon nach Saphronicus abreisen sollen", knurrte er zwischendurch, wütend über die missliche Lage in der er sich befand. Er schaute immer wieder zu seiner Mitgefangenen Sylvie, die aber offensichtlich nicht ganz so ruppig behandelt wurde wie er. Es stellte sich heraus, dass das Tor der Oase nicht verschlossen war, und die Mamba auf Nahrungssuche in die Oase rannte. Die Panther haben sie aufgenommen, und versuchten sie zu zähmen, und folgten ihr natürlich in die Oase, um schlimmeres zu verhindern. Jedoch wurden sie sehr schnell entdeckt, und das Unheil nahm den bekannten lauf.

Die Mädchen legten einen etwas lächerlichen und notdürftigen Verband um Zeus verwundeten Oberschenkel, aus dem eine etwa 5cm grosse Bisswunde klaffte. Ihnen schien das Verhalten dieser Mamba unangenehm zu sein, vielleicht einfach nur deswegen, weil sie wussten: Sollte es bekannt werden, wem sie da Obdach gewähren, würde der ganze Stamm massiv in Gefahr sein. Diese Mamba wurde anscheinend bereits in der Region gesucht, bisher waren es nur einzelne Geschichten, aber nun sah Zeus es mit eigenen Augen.

Nach kurzer Zeit tauchte eine andere Frau auf, auch eine Wilde. Aber sie gehörte nicht zu dem Stamm. Zeus traf sie Tage vorher schon kurz am Handelsposten. Ein recht interessantes Mädchen, welches viele Namen trug: Sandra, Sonja, Sabine... sie wechselte alle paar Minuten ihren Namen. Dieses Mädchen wollte für ihren Stamm handeln, Waren und Materialien beschaffen. Zeus wurde eines der Handelsobjekte.

Wie die Priesterkönige es wollten, wurde Zeus kurze Zeit später von diesem Mädchen den Bakah angeboten, welche nach kurzen Zögern auch einige Medikamente im Gegenzug boten. Die junge Panther stellte sich geschickt an, und drückte Zeus immer wieder ihren Speer in den Rücken, damit er sich nicht umdrehte und vielleicht einen Angriff starten konnte. In dem Moment wo der Handel so gut wie abgeschlossen war tauchte Sylvie mit einer Panther in Zeus Rücken auf. Auch sie wurde freigelassen, es muss irgendein Geschäft gegeben haben. Sylvie kennt viele dieser Panther aus ihrer Zeit, als sie einsam in einem Zelt auf einer kleinen Ruine wohnte.

Im Bakah Camp angekommen, lies Zeus den Biss dieses Monsters behandeln. Es würde nur eine kleine Narbe zurückbleiben, und man versicherte ihm, er hätte Glück gehabt. Völlig entnervt von den Vorkommnissen setzte er sich anschliessend zu den anderen Bakah ans Feuer, und der Paga floss wie an so manch anderem Abend wie in Strömen.

Einen Tarn hatte er letzte Nacht erstanden, mit dem er nach Saphronicus zurückkehren wollte. Nun wurde ihm sein Geld gestohlen, von diesem rothaarigen Biest. Angeregt und nicht bei vollem Verstand vom Alkohol des Pagas fasste er einen Tollkühnen, wenn auch etwas irrwitzigen und wahnsinnigen Plan: Er brauchte etwas von Wert, was er notfalls auf der langen Reise in den Norden wieder zu Geld machen kann. Er erinnerte sich, wie er vor ettlichen Jahren als junger Tarnreiter, mit seinem Tarn nach Rarir fliegen sollte, um dort - wie es Brauch ist - ein Mädchen zu entführen, und sich diese zu unterwerfen. Könnte er soetwas nochmal schaffen?

Mit leisen Flügelschlägen, fast schwebend, gleitete sein Tarn durch den Nachthimmel über Oase der Vier Palmen. Das Tier war geschwächt durch die Entbehrungen, die ein Aufenthalt für Tarns in dieser Region nunmal zwangsläufig mit sich führt. Lange überleben diese Tiere selten bei diesem Klima. Zeus beobachtete das emsige Treiben unten auf dem Marktplatz der Oase. Viele Sklavinnen waren zu sehen, die zwischen den Freien hin und her huschten. Ein paar Leute standen vor der Taverne, angetrunken, so wie Zeus selbst. Er fühlte sich angespannt, ungewohnt nervös, und versuchte das Gefühl mit dem Pagakrug, den er bei sich führte, loszuwerden. In einem moment eines Anflugs von totaler Gleichgültigkeit und Wahnsinn setzte er mit seinem Tarn nicht weit von der Taverne zur Landung an. Viel Platz war nicht, aber wer rechnet denn auch damit das jemand versucht sein Tier dort zu landen?

***Copyright: Zeus Edelman**

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