Donnerstag, 4. September 2008

Zeus – Geschichte eines Kriegers – Teil 5

Dieser Beitrag wird mit freundlicher Genehmigung von Zeus Edelman genutzt und veröffentlicht.

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Zeus – Geschichte eines Kriegers – Teil 5

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Zeus streckte sich. Durch ein kleines Fenster lugten die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Morgens. Langsam kletterte er aus seinen Fellen, schaute vor das etwas unbequeme, rustikale Bett - welches nur aus ein paar Brettern und alten Fellen bestand. Vor dem Bett liegt ein blondes, zierliches Mädchen, am Fussgelenkt angekettet. Zeus gähnte, warf sich seine Tunika über, und stieg die Leiter hinunter.

Sein Heimstein leuchtete im Licht eines kleines Feuers. Ein paar Ecken vom Stein sind mittlerweile beschädigt, von den vielen Strapazen welche sein Heimstein bereits überstehen musste.

Einst stand dieser Stein in der Tahari, in der Oase der Zwei Scimitar. "Tahari..." murmelte Zeus leise, und kratzte sich an den Kopf.

Erinnerungen wurden wach. Erinnerungen an das Mädchen, welches er einst Nachts volltrunken mit einem völlig abgemagerten und dem Tode nahestehenden Tarn aus der Oase der Vier Palmen entführt hatte. Das es die Cousine vom Emir der Oase war hatte er zu dem Zeitpunkt nicht gewusst. Nur den eindeutigen Regularien der goreanischen Gesellschaft hatte er es zu verdanken, für diese Tat nicht gejagt und getötet zu werden. Sie hatte sich ihm unterworfen.

Zeus, seufzt einmal laut, schaut dann vom Heimstein zu seinen Vorräten. Einige Fässer standen in der Ecke herum, unter anderem ein Fass mit etwas Paga drinn. Paga. Zeus wirkt verärgert, knurrt zu sich selbst "Dieses Zeug bringt mich immer wieder in Schwierigkeiten"

Einst hatte man Zeus mit dem Wiederaufbau der Oase der Zwei Scimitar beauftragt. Der Stamm der Bakah hat ihn - aus alter Verbundenheit und Vertrauen - zum Sheik der Oase ernannt. Zeus genoss die neue Position. Der Sheik einer Oase ist in etwa zu vergleichen mit einem Administrator in den mittleren Regionen Gors. Aber er fühlte sich stark, und aufgrund des recht unsicheren Status der Oase eher wie ein Ubar denn eines Administrators. Der Paga sollte auch hier wiedermal eine entscheidende Rolle spielen. Eines Nachts, sein alter Tarn litt wie jeden Tag unter Hitze und Trockenheit der Wüste, sass er abermals an seinem Schreibtisch in dem Ratshaus der Oase. Er trank. Er trank viel. Trotzdem wollte er unbedingt noch etwas fliegen. So stieg er auf seinen Tarn, und flog Richtung Dschungel, der immer wieder die Region der Tahari zwischen den Oasen durchquert.

Es kam wie es kommen musste. Zeus verlor die Kontrolle über das Tier, welches den Moment der Schwäche sofort bemerkte, und sich gegen seinen Reiter wendete. Im Nachhinein konnte er von Glück reden, dass er vom Tier in einen kleinen Fluss gestürzt ist. An das, was unmittelbar darauf folgte, erinnert Zeus sich nur noch lückenhaft.

Zeus erwachte nach etwa einer Hand in einer Höhle. Bei ihm war seine Sklavin, die er vor kurzem als freie Frau entführt und sich ihm unterworfen hatte. Sie hatte ihn - wie sie nachher erzählte - gesucht, und an einem Ufer vom Fluss gefunden. Mit Mühe brachte sie ihn in eine Höhle, oberhalb des Dschungels, und pflegte ihn gesund. Viel Zeit verging, bis Zeus wieder voll bei Kräften war. Immer wieder traf er auf Taluna, welche durch den Dschungel streunten, und so wie er auf der Jagd nach Nahrung waren. Ein paar wenige Weggefährten von früheren Zeiten begegneten ihm. Doch hielt er es für besser, wenn alle dachten er wäre tot. Er, der Sheik der Oase der Zwei Scimitar, wollte nicht, dass der Heimstein der Oase durch seinen leichtfertigen Umgang mit dem Paga, seinen Launen, noch weiter beschmutzt wird.

Lange grübelte er über sein Schicksal nach, über all die Dinge, welche in den letzten Monaten passiert sind. Zeus, einst stolzer Krieger und Tarnreiter aus Port Kar, der durch einen Zufall in die Wüste gekommen ist, war ein alter, verwirrter und schwacher Mann geworden.

Eines Nachts, er hatte sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, lies er seine Sklavin frei, nahm ein Bündel mit seinen Habseeligkeiten - unter anderem seinen Heimstein - und verlies die Höhle im Dunkel der Nacht.


Sein Blick suchte wieder nach seinem Heimstein, der in einer kleinen Vitrine lag. Er schaute sich um. Ein Haus, aus Stein gebaut, massiv, und noch nicht alt. Es war nach einem Erdbeben neu gebaut worden.

Zeus öffnete die Tür, ging vor das Haus. Er schaute sich um. Irgendwo in der Ferne kreischten ein paar Tiere herum. Hörte sich eindeutig nach Vulos an. Ein Bosk schien ebenfalls von der Morgensonne geweckt zu sein. Ein verschlafener Ort. Keine Stadtmauern. Ein Handelsort. Reich an Waren, schon bald würden die Händler wach werden, und dort wieder eifrig ihre Marktstände aufbauen.

Er schloss seine Augen, atmete tief durch, spürte den Wind und den Geschmack der Luft, der Thassa war nicht weit. Lange hatte er diesen Duft nicht mehr wahrgenommen.

Erneut erinnerte er sich an die Geschehnisse.

Mit seinem Bündel und seinem Heimstein, machte er sich auf den Weg zu seinem Geburtsort. Die Reise in Richtung Norden war nicht einfach. Bis zu 60 Pasang an einem Tag kann ein Krieger im Fussmarsch zurücklegen. Allerdings ist Zeus nicht mehr austrainiert, er war dick geworden, müde, er hatte sich gehen lassen. Er nutzte die Zeit der Reise, um wieder mit seinem täglichen Training anzufangen. Mit ein paar Gelegenheitsarbeiten verschaffte er sich den nötigen Proviant und Reisemöglichkeiten.

Port Kar, seine Geburtsstadt, lag nach der langen Reise endlich vor ihm. Doch was er vorfand war ihm fremd geworden. Er hielt es dort nicht lange aus. Ein paar Nächte in den Tavernen, wo er die eine oder andere Freundschaft zu einigen Kriegern schloss, und er verliess den Ort wieder.


Zeus öffnete die Augen, schaute auf den Brunnen am Marktplatz. Mit der Seilwinde holte er einen Eimer mit Wasser hoch, erfrischte sich. Er spannte seine Muskeln an, und fühlte wie er wieder zu alter Stärke gefunden hatte. Er war nun Krieger von diesem Handelsort.


Es ist noch noch nicht lange her, dass er die Wüste verlies. Nachdem er in Port Kar ebenso wenig glücklich wurde, zog es ihn dann doch wieder für einen Moment in die ihm bekannte Gegend, der Tahari. Auf seinem Fussmarsch entdeckte er eine Ruine. Wie sich im Nachinein herausstellte waren es die Ruinen der Oase der Silbersteine, auch Stones of Silver genannt. Es schien dort niemand zu sein, und ein Sandsturm zog auf, welcher die weitere Reise unmöglich machte. Also suchte er sich ein verlassenes Gebäude, und richtete sich ein. Einige Tage vergingen, immer wieder ging er in den angrenzenden Dschungel, und auch ab und zu zum nahe gelegenen Handelsposten. Nahrung, Salz und Wasser - jeden Tag galt es diese Dinge erneut zu beschaffen. Taluna machten Zeus das Leben nicht einfacher, doch es gelang ihm fast jedesmal die wilden, verhassten Mädchen zu verscheuchen.


Erfrischt vom Wasser ging Zeus zurück in sein Haus. Ein scharlach rotes Banner, aus etwas durchlöchertem Stoff, hing an seinem Haus. Die Farben eines Kriegers. Jeder sollte wissen, wer in diesem Haus wohnt. Er war wieder stolz auf seine Kastenzugehörigkeit. Er ging die Leiter hinauf, und sah das seine blonde Sklavin noch immer vor dem Bett schlief. Er nannte sie Su, er hatte sie aus der Wüste mitgebracht. Sie gehörte einem etwas sonderbaren Fischer, der sie ihm für ein paar lausige Lebensmittel überlassen hatte. Sie war nicht wirklich ausgebildet, doch erwies sich als recht intelligent, und Zeus schätzte damals die vielen Unterhaltungen in der Einsamkeit der Ruinen.

Die Ruinen. Zeus erinnerte sich erneut. Nach und nach gesellten sich mehr Bewohner in die Ruine der Oase der Silbersteine. Hier und da gab es ein paar Arbeitsangebote, doch so richtig konnte Zeus sich nicht damit anfreunden. Es verging kein Tag, an dem es nicht irgendein Zwischenfall in der Region gab. Diese Taluna sind eine Plage. Es wurde gefährlich in der Ruine, selbst für einen Krieger. Hilfe gegen die Horden der Sleenmädchen gab es nicht. Er beschloss den Ort wieder zu verlassen. An Bord eines Schiffes zog es Zeus wieder an den Thassa, seine Sklavin, seinen Heimstein und ein paar letzte Habseeligkeiten im Gepäck.


Zeus seufzte, als er seine Sklavin Su vor dem Bett sah. Viel hatte sie von der Ortschaft noch nicht gesehen. Die Reise hatte sie krank werden lassen. In der Wüste gab es eh nicht viel zu essen, geschwächt war sie bei Reisebeginn, so war es für sie wohl etwas zuviel.

"Die wird schon wieder", murmelte er zu sich selbst. Zeus griff sein Schwert, und verlies das Haus. Er ging über den Marktplatz, hinter die Taverne. Dort war ein kleiner See, an dem er immer mehrere male am Tag trainiert und schwimmt.

In diesem Ort gibt es kaum Taluna oder Panther. Wenn, dann kommen sie zum Handeln. Aber es wird viel Wert darauf gelegt das sie nicht störend in den Alltag eingreifen. Auch dies sicherzustellen ist nun Zeus Aufgabe. Denn er ist wieder ein starker Krieger geworden, hat die Vergangenheit hinter sich gelassen.



***Copyright: Zeus Edelman**

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